Spezialmesser und meine Gedanken dazu
»Jesus Christus ist und bleibt derselbe, gestern, heute und für immer. « Hebräer 13,8 (HFA)
Manchmal schäme ich mich richtig dafür, ein Mensch zu sein. Vielleicht nicht ganz so extrem, aber für meine schlechten menschlichen Gedanken und Gefühle schäme ich mich schon. Sie sind so wechselhaft und schwankend. Ich kann mich nicht auf sie verlassen. Und immer, wenn ich dies besonders bemerke, staune ich darüber, wie Gott es schaffen kann gestern, heute und morgen Derselbe zu bleiben?! Mir persönlich ist das unmöglich und darüber bin ich traurig. Ich kann meine positiven Gedanken nicht dauerhaft konservieren, ständig schleichen sich negative hinein, obwohl ich das überhaupt nicht möchte. Gestern beispielsweise bemerkte ich an einer Banalität in was für einem Uberflussland ich lebe: Ich saß am Frühstückstisch und hatte tatsächlich neben meinem normalen Messer noch insgesamt drei weitere Messer aufgedeckt. Da gab es ein Brotmesser im Brotkorb, ein Tomatenmesser für besagte Tomate und noch ein Buttermesser in der irischen Weidebutter. Meine Augen sahen diese Szenerie und mein Gedanken polterten lautlos: „Worüber beschwerst du dich regelmäßig? Warum willst du noch mehr? Hast du nicht ein Dach über dem Kopf, ein Bett zum Schlafen und genügend zu essen? Schau doch mal, du hast sogar drei Spezialmesser für dein Frühstück, was willst du mehr? Andere haben nichts davon und du jammerst, dass es dir nicht gut genug gehen würde?“ Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich alles Notwendige zum Leben habe, an keinem grundlegenden Mangel leide und doch häufig neidisch auf andere schaue. Fast ehrfürchtig nutzte ich alle Spezialmesser beim Frühstück und legte sie nach Gebrauch behutsam zurück. Dieses Messerbild begleitete mich über den gesamten Tag. Ich schaute deutlich demütiger auf meinen Alltag und war zufriedener. Doch dann kam die Nacht und mit ihr ein neuer Morgen. Erstens: Ich erwachte zwei Stunden später als mir mein Zeitgefühl und der Lichteinfall im Schlafzimmer vermittelten. Zweitens: Kaum erwacht hatte ich Zeitdruck, da ich für unsere Gemeinde frisches Obst und geschnittenes Gemüse für ein tagesfüllendes Kinderprogramm versprochen hatte und nur noch 50 Minuten zu Vorbereitung blieben. Drittens: Meine Jungs waren irgendwann unbemerkt aus ihrem Zimmer geschlichen und hatten bereits den Fernseher eingeschaltet. Ich hatte die Fernbedienung nicht weggelegt und ärgerte mich mehr über meine eigene Schlamperei als über ihr kindliches Ausnutzen der Situation. Alles in allem kein optimaler Start in den Tag für mich. Während ich das Gemüse putze und die Paprika schnippelte, bemerkte ich den aufsteigenden Kopfschmerz und eine körperliche Schwere, die sich auf mich legte. Es mischte sich auch ein wenig Wut hinein beim Sinnieren über die weiteren Programmpunkte des Tages. Wieder ärgerte ich mich über mich selbst: „Warum hatte ich eigentlich gestern im Gefühl des Uberflusses der Gemeinde zugesagt, mehrere Stunden am Nachmittag mitzuhelfen? Wie lange wird das Gulasch kochen und schaffe ich das bis dahin? Warum muss ich das eigentlich kochen? Ich wollte doch gern etwas für mich selbst tun; mal Sport machen und an meinen 365 Alltagswundern für Gott weiterschreiben. Bleibt noch Zeit für mich oder wird es wieder ein Tag, den ich ausschließlich nach außen für andere lebe? Gestern war schon so ein Tag und die nächsten beiden Tage sind ebenfalls randvoll.“ Diese Gedanken verbesserten meine Stimmung in keiner Weise. Alle meine „Männer“ trugen artig die Schüsseln mit dem Obst und Gemüse in die Gemeinde und ich hatte einen kurzen Moment Ruhe, in dem ich zum Handy griff und den Fehler machte, die Statusbilder anderer Menschen anzuschauen. Ein Klassenkamerad meines jüngsten Sohnes flog demzufolge mit seiner Familie auf die Malediven. Und zack, da war es wieder, dieses hässliche menschliche Gefühl des Neides, das sich in mein Herz und meine Gedanken fraß! Ich führe das nicht weiter aus, aber nichts war mehr übrig vom gestrigen Gefühl des Uberflusses. Ich schluckte, atmete mehrmals tief ein und aus, und handelte mechanisch als mein Sohn mich um Geschirr aus den oberen Ebenen bat. Danach bedankte er sich mit den Worten: „Mama, du bist die Beste!“. Halt, hatte ich mich da gerade verhört? Ich setzte mich mit ihm an den Frühstückstisch und aß, obwohl ich es erst gar nicht vorhatte. In den nächsten Minuten wiederholte er den Satz glaubhaft noch mehrere Male und mir war, als ob Gott persönlich mich an den Tisch gezogen hatte und durch ihn zu mir sprach. Alles in mir beruhigte sich, nun sitze ich glücklich am Computer und schreibe es auf. Ubrigens, danach mache ich Sport. Halleluja!
Romana